Was? Schon Weihnachten?

Irgendwas ist anders in diesem Jahr. Es ist Dezember, ich habe eine kurze Hose an und friere nicht.

Seit 20 Jahren ist der Dezember für mich kalt. Es ist der Monat, an dem man richtig mit dem Ski fahren anfangen kann, überall Christkindlmärkte veranstaltet werden, jeden Tag ein Türchen am Adventskalender öffnen kann, ich meinen Geburtstag feiere und es regelmäßig schneit und kalt ist. Und natürlich darf man Weihnachten und Silvester nicht vergessen.

Dieses Jahr ist das ein bisschen anders. Alles was ich mit dem Dezember verbinde, finde ich hier nicht in der gewohnten Art. Ein paar Anzeichen für Weihnachten sind nur der Christbaum auf dem Corso von Manly oder die Schokonikoläuse im ALDI.

Meinen Körper bringt das komplett durcheinander. Die Skischulwebsite wurde nur im letzten Moment komplett fertig. Hatte das Gefühl, dass wir noch lange Zeit haben. An den Geburtstag meiner Mutter habe ich mich auch nur durch Glück noch rechtzeitig erinnert. Und das mit Weihnachten wird dieses Jahr wohl auch komplett anders. Es ist halt noch Sommer und nicht Winter.

Mein Körper meint das auch. Scheinbar verknüpft er den Dezember direkt mit kalt, nass und Schnee.


 

Frau Holle, übernehmen Sie!

Ich mache die Türe auf und gehe hinaus. Ein warmer Wind weht mir um die Nase. Sofort fühle ich mich in den Frühling versetzt. Genau das gleiche Gefühl. Nur fehlt für den Frühling eine ganz wichtige Sache: Der Winter.
Normalerweise kenne ich diesen Frühlingswind nur vom März oder April wenn es langsam wieder wärmer wird und der Winter mit seinen letzten Schneehügeln verschwindet.

Aber bis jetzt hat dieser Winter nur kurz bei uns vorbeigeschaut und es sieht auch nicht besonders gut aus für die weißen Weihnachten. Wenigstens fängt es auf den Bergen endlich an zu schneien. Aber die meisten Skigebiete konnten wohl trotzdem nur mit Gewalt und viel Kunstschnee in ihre Saison starten. Viel natürlich Schnee hat es jedenfalls noch nicht.

Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen. Von den letzten vier Wochenenden habe ich drei auf dem Stubaier Gletscher verbracht. Die Pisten waren zwar super zu fahren, aber bei jedem weiteren Wochenende war weniger Schnee da und vor allem weniger Wasser in den Speicherseen für den Kunstschnee. Zum Schluss konnte man sogar schon den Grund der Seen sehen und auch Steine auf der Piste ausgraben.

Da könnt ihr euch natürlich vorstellen wie groß die Freude am letzten Wochenende war, als der erste Schnee seit sieben Wochen fiel.

Aber Frau Holle, wachen Sie endlich auf! Wir brauchen Sie dringend!


 

(c) Daniel Leicher 2008-2019